Pirelli hat zusammen mit Pyrum, BASF und Synthos ein europäisches Recyclingprojekt für Altreifen gestartet. Die Kooperation setzt auf die Rückgewinnung wertvoller Sekundärrohstoffe wie Industrieruß und Synthesekautschuk. Dadurch soll der Bedarf an primären fossilen Ressourcen bei der Herstellung neuer Reifen gesenkt werden.
Die Reifenindustrie steht vor der Herausforderung, hohe Altbestände und Abfälle ökologisch sowie ökonomisch sinnvoll zu verwerten, ohne die Materialqualität der Endprodukte zu beeinträchtigen. Bislang landeten Altreifen häufig in der thermischen Verwertung oder minderwertigen Wiederverwendung. Das neue Projekt adressiert dieses Problem über einen geschlossenen Wertschöpfungskreislauf.
Die drei Kernaspekte des Projekts:
- Rohstoffgewinnung: Verwertung von Alt- und Ausschussreifen aus Handel, Motorsport und Produktion.
- Mehrstufige Verarbeitung: Zerlegung mittels Pyrolyse sowie chemische Weiterverarbeitung.
- Rückführung: Reintegration von aufbereitetem Ruß und zertifiziertem Synthesekautschuk in die Reifenfertigung.
Pyrolyse und primäre Rohstoffrückgewinnung
Im ersten Schritt des Verfahrens werden die gesammelten Reifen – unter anderem aus dem deutschen Driver-Filialnetz, aus Motorsportaktivitäten sowie aus dem Pirelli-Werk im hessischen Breuberg – durch das Unternehmen Pyrum aufbereitet. Mithilfe eines Pyrolyseverfahrens unter Ausschluss von Sauerstoff und bei hohen Temperaturen entstehen zwei wesentliche Sekundärrohstoffe: recycelter Industrieruß (Recovered Carbon Black, rCB) und Reifen-Pyrolyseöl (TPO).
Der gewonnene Industrieruß wird nach der Aufbereitung direkt in den europäischen Pirelli-Werken weiterverarbeitet. Er ersetzt dort einen Teil des bislang genutzten primären Rußes, der traditionell aus fossilen Quellen gewonnen wird.
Chemische Veredelung und Zertifizierung
Der zweite Teil des Wertschöpfungskreislaufs betrifft das entstandene Pyrolyseöl. Dieses geht an die BASF und dient dort als Ausgangsstoff für chemische Grundprodukte wie Butadien und Styrol. Über ein Massenbilanzverfahren fließen die recyceltem Anteile in die ISCC PLUS-zertifizierte Ccycled®-Produktlinie ein.
Das Unternehmen Synthos nutzt diese Rohstoffe anschließend zur Erzeugung von zertifiziertem Synthesekautschuk. Dieser Kautschuk geht schließlich an Pirelli zurück und wird für die Produktion neuer Reifen eingesetzt. Um die Transparenz über den gesamten Prozess sicherzustellen, ist die vollständige Wertschöpfungskette nach dem ISCC PLUS-Standard zertifiziert.
Quelle: Pirelli